Profillinien


Die Herausbildung besonderer Profile unserer Forschung und Lehre dient dazu, vorhandene Stärken zusammenzuführen, zusätzliche Synergien zu entwickeln und die externe Wahrnehmbarkeit von Potenzialen und Leistungen der Bergischen Universität zu verbessern. Alle Fächer sind dabei aufgerufen, sich in jeweils affine Profillinien einzubringen. Hierbei ist zu betonen, dass die Herausbildung eines transdisziplinären Profils der Bergischen Universität einzelne Fakultätsprofile nicht grundsätzlich ersetzen soll.

Folgende, prinzipiell gleichwertige Profillinien werden im Sinne inhaltlicher und strategischer Schwerpunkte fächerübergreifend verfolgt:

(a) BAUSTEINE DER MATERIE, EXPERIMENT, SIMULATION UND MATHEMATISCHE METHODEN

Diese Profillinie verknüpft die traditionell starke Grundlagenorschung der Bergischen Universität im Bereich der Naturwissenschaften und der Mathematik mit Forschungsschwerpunkten in der experimentellen und theoretischen Teilchenphysik, dem wissenschaftlichen Rechnen sowie der Darstellungstheorie. Ein wichtiges Forschungsinteresse gilt den elementaren Bausteinen der Materie und den zwischen ihnen wirkenden Kräften. Die entsprechenden experimentellen Arbeiten werden in unterschiedlichen Formen realisiert, die von der Beteiligung an internationalen Großexperimenten an Teilchenbeschleunigern bis hin zu astrophysikalischen Observatorien reichen. Forschung im Bereich der mathematischen Methoden unter besonderer Berücksichtung der Realisierung von Symmetrien in der Natur eröffnet die Möglichkeit der theoretischen Analyse und Suche nach Gesetzmäßigkeiten. Neben Theorie und Experiment werden an der Bergischen Universität zur Erkenntnisgewinnung die numerische Simulation und das Höchstleistungsrechnen betrieben. Diese Aktivitäten sind interdisziplinär und strukturell mit der internationalen Community verzahnt, derzeit u.a. in einem DFG-Sonderforschungsbereich und einem DFG-Graduiertenkolleg. Das „Interdisziplinäre Zentrum für Angewandte Informatik und Scientific Computing“ (IZ II) bündelt die Projekte im Bereich des Höchstleistungsrechnens unter einem gemeinsamen Dach und bildet eine Schnittstelle zu den Ingenieur- und Naturwissenschaften.

(b) BILDUNG UND WISSEN IN SOZIALEN UND KULTURELLEN KONTEXTEN

Die zweite Profillinie bezieht sich auf Bildung, Wissen und Kultur als entscheidende gesellschaftliche Kategorien. Im Bewusstsein dessen, dass jegliches Denken, Handeln und Entscheiden kontextuell erfolgt, erforschen unterschiedliche Wissenschaften die Gestaltung von Bildungsprozessen sowie den Zusammenhang von Bildung, Wissen und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart.

Im Einzelnen untersucht werden dabei auch die Voraussetzungen und Möglichkeiten von Bildung, wobei sowohl formelle, institutionell gebundene Formen als auch alltägliche Lebensvollzüge und kulturelle Praktiken in den Blick genommen werden. Zur Bearbeitung der sich hier ergebenden Fragestellungen ist ein transdisziplinäres Vorgehen besonders Erfolg versprechend. Dementsprechend bieten die an der Bergischen Universität vorhandenen Beiträge aus Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Human-, Sozial- und Bildungswissenschaften sowie Design und Kunst ein hervorragendes Potenzial für gemeinsame Forschungsvorhaben. Diese Transdisziplinarität ermöglicht die Verbindung unterschiedlicher methodischer Zugänge, die für den komplexen Gegenstand „Bildung, Wissen und Kultur in sozialen Kontexten“ unerlässlich ist und nicht zuletzt zu den Grundlagen einer exzellenten Lehrerbildung zählt.

(c) GESUNDHEIT, PRÄVENTION UND BEWEGUNG

Prävention und Bewegung, den Grundelementen der Gesunderhaltung sowie der damit verbundenen Leistungs- und Arbeitsfähigkeit von Erwerbstätigen, kommt als gesellschaftlicher Faktor ein immer höherer Stellenwert zu. Gesundheit ist schon lange nicht mehr nur eine Domäne der Medizin, sondern wird sowohl in der Forschung als auch in den Unternehmen der Gesundheitswirtschaft als ein komplexes Phänomen betrachtet. So existieren an der Bergischen Universität zahlreiche Disziplinen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit den Themen Gesundheit, Gesundheitsmanagement und Public Health befassen. Zu nennen sind Beiträge der Gesundheitspsychologie, pädagogische Konzepte der Gesundheitserziehung in Kindergärten und Schulen, Ansätze der Sportpädagogik, -medizin und -soziologie, der Bewegungswissenschaft, der Arbeits- und Organisationspsychologie, der Sicherheitstechnik, der Gesundheitsökonomie sowie spezieller Rechtswissenschaften. Ziel der Profillinie ist es, solche Beiträge zunehmend in interdisziplinären Forschungsprojekten zusammenzuführen. Eine besondere Rolle spielt hierbei das „Bergische Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health“ (BKG). Insgesamt sollen forschungs- und anwendungsbezogene Konzepte zur Stärkung der Gesundheitskompetenz auf individueller Ebene, auf der Ebene von Organisationen sowie auf regionaler bzw. gesellschaftlicher Ebene weiterentwickelt werden, nicht zuletzt, um künftigen Herausforderungen unserer Gesellschaft (z.B. dem demografischen Wandel) wirksam begegnen zu können.

(d) SPRACHE, ERZÄHLEN UND EDITION

Erzählen und Erzählung sind kein Spezifikum der Literatur, sondern stellen zugleich einen in der Lebenswelt allgegenwärtigen Modus der Auffassung, Strukturierung, Deutung und Vermittlung von realen oder imaginierten Erfahrungen, von Wissen, Vorstellungen und Intentionen dar. Ein im „Zentrum für Erzählforschung“ (ZEF) institutionalisierter Schwerpunkt der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung an der Bergischen Universität trägt dieser allgemeinen Bedeutung der kulturellen Handlungsform „Erzählen“ in besonderer Weise Rechnung. Untersucht werden sowohl die strukturellen als auch die kontextuellen Aspekte des Erzählens in den Forschungsfeldern „historische Entwicklung des literarischen Erzählens“, „nichtliterarisches sprachliches Erzählen“ und „intermediale Aspekte des Erzählens“. Weitere, die einzelnen Fächer übergreifende Schwerpunkte der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung gelten in diesem Kontext der Praxis und der Theorie der Edition von Texten, dem Spracherwerb, der Sprachstruktur sowie der interdisziplinären Kultur- und Kommunikationsforschung, institutionalisiert im gleichnamigen Zentrum (ZIKK).

(e) UMWELT, ENGINEERING UND SICHERHEIT

Diese Profillinie verbindet interdisziplinäre Forschungen zu den Themen „Umweltsysteme“ und ökonomische, ökologische sowie soziale „Nachhaltigkeit“. Input liefern die natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen sowie Teile der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, auch in Kooperation mit dem „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ (WI). Bedient wird die gesamte Kette der Wissensproduktion von der Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung anwendungsnaher
Produkte und Hightech-Verfahren bzw. effizienter Systeme in Kooperation mit der Industrie. Umweltsystemforschung, Engineering und Sicherheitsstrategien haben das Ziel, das Verständnis komplexer Zusammenhänge in ökologischen und technischen Systemen zu verbessern und technologische Innovationen zu fördern. Auf der Anwendungsseite steht die Frage im Vordergrund, wie sich im Wandel der Umweltbedingungen und der Ressourcenverfügbarkeit künftige Bedürfnisse von Konsumenten und Produzenten, aber auch die Herausforderungen des Umweltschutzes und der Globalisierung erfüllen lassen. Dabei sind nicht zuletzt die Entwicklung einer energie-optimierten Architektur sowie die Sicherung nachhaltiger Mobilität und des effektiven Austausches von Gütern von Relevanz.

(f) UNTERNEHMERTUM, INNOVATION UND WIRTSCHAFTLICHER WANDEL

Eine weitere Profillinie gilt der interdisziplinären Erforschung des Zusammenhangs zwischen Unternehmertum, Gründung und Innovation einerseits sowie wirtschaftlicher Entwicklung andererseits. Dabei geht es zunächst um die ökonomischen, rechtlichen und politischen, aber auch die sozialen, psychologischen, historischen und ethischen Grundlagen bzw. Rahmenbedingungen von Unternehmertum und Innovation. Des Weiteren stehen die Wechselwirkungen ­zwischen mikropolitischen Weichenstellungen der einzelwirtschaftlichen Akteure sowie den makropolitischen Entscheidungen der föderalen Ebenen samt ihrer Implikationen für die Entwicklung von Wirtschaftssystemen im Fokus der Analyse. Neben den Beiträgen der Wirtschaftswissenschaft (programmatisch organisiert in der „Schumpeter School of Business and Economics“) sowie der Geistes- und Sozialwissenschaften spielen hinsichtlich des Verständnisses technischer und gestalterischer Aspekte von Innovationspro­zessen auch die Ingenieurwissenschaften, Architektur und Design sowie für das methodische Instrumentarium speziell Mathematik und Informatik eine wichtige Rolle. Die Synergien zwischen allen genannten Bereichen kommen sowohl in gemeinsamen Forschungsprojekten als auch in Studienangeboten (z.B. im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen) zum Tragen.